A Wave of Hope
Posted in Leseliste, Life, the Universe & Nothing on 11/05/2008 01:53 pm by Selene40 Jahre nach Martin Luther King haben die USA Barack Hussein Obama zum ersten afroamerikanischen Präsidenten gewählt.
Neben Freude, ist Erleichterung sicher das zweitwichtigste Gefühl, das wir heute verspüren.
Erleichterung darüber, daß es nun endlich vorbei ist und wir aufhören können zu zittern, daß die Bushregierung noch eine Gelegenheit findet die Angstkarte auszuspielen und der wütenden kleine Mann aus Arizona seine Kampferfahrung in die Waagschale werfen kann. Darüber, daß die steigende Anspannung es könnte sich doch nicht ausgehen – herbeigeredet von Analysten (die wie üblich Äpfel mit Birnen verglichen) und sensationssüchtigen Medien (welche Schlagzeile wäre es gewesen: USA nicht bereit für einen schwarzen Präsidenten, Rassismus nicht überwunden!) – abgefallen ist. Natürlich verspüren wir Erleichterung darüber, daß es den Bradley-Effekt in dieser Form tatsächlich nicht gibt, so sehr es sich einige Berichterstatter gewünscht hätten. In den letzten Stunden des US-Wahlkampfes konnten einige nun doch nicht mehr an sich halten und mussten ausführlich die Rassenfrage diskutieren.
Auch der ORF hat in seiner Live-Wahlnacht immer wieder ausführlich versucht den Bradley-Effekt herbeizureden, wohl in der Hoffnung, die leicht chaotische Berichterstattung ein wenig reißerisch aufzupeppen.
“A wave of hope has swept this country” sagte heute morgen (in den USA natürlich am Abend) Senator Harry Reid:
und Barack Obama hat diese Welle ausgelöst. Er hat etwas geschafft, das vor einem Jahr noch völlig unmöglich erschien: Er hat dem amerikanischen Volk Hoffnung gegeben. Hoffnung, daß sich etwas ändern kann und Hoffnung, daß das Land zu seinen Idealen zurückfinden könnte und die Hoffnung, daß jeder Einzelne an der Gestaltung der Zukunft des Landes mitwirken kann.
Dieser Glaube und diese Hoffnung sind der Motor der Welle, die gestern durch die USA gerollt ist – nicht allein der viel zitierte, perfekt organisierte Wahlkampf von Obama.
Ja, Obama hat das Internet wie keiner vor ihm für seinen Wahlkampf genutzt, aber nur weil er uns sein Team die Zeichen der Zeit erkannt haben. Die Werkzeuge sind für alle gleichermaßen verfügbar, jeder kann sie nutzten und zumeist sogar gratis – an dieser Stelle möchte ich die Lektüre folgenden Buches von Clay Shirky empfehlen:
Das Internet hat Barack Obama zwar eine Plattform eröffnet, auf der er viele Bürger direkt ansprechen konnte und sie so in seine Wahlkampagne integrieren – viel wichtiger erscheint mir jedoch, daß das Internet dem Einzelnen auch die Möglichkeit gegeben hat sich ohne großen Aufwand an der Sache zu beteiligen.
Diese einfache Beteiligung, das damit einhergehende Gefühl direkt an einer großen Sache mitarbeiten zu können und somit die Möglichkeit zu haben, aktiv daran mitzuarbeiten wie die Zukunft aussehen wird, hat meiner Meinung nach die Welle weiter getragen.
Wenn wir ehrlich sind, haben wir alle schon lange den Glauben verloren, daß irgendetwas was wir als Einzelner tun etwas ändern kann und daher tun wir auch (fast) Nichts mehr. Obama hat den Menschen den Glauben zurückgegeben, daß ihre Stimme und ihr Handeln zu einer Veränderung führt. Ein Glauben, den wir derzeit alle brauchen könnten.
Die Welle der Hoffung ist auch aus diesem Grund gestern Nacht nicht nur durch die USA sondern durch die ganze Welt gerollt.
Am 04. März 2007 vor genau 21 Monaten sagte Barack Obama beim Selma Voting Rights March Commemoration :
“I’m here because somebody marched. I’m here because you all sacrificed for me. I stand on the shoulders of giants”
Gestern am 04. November 2008 ist er zu einem der Riesen geworden, auf dessen Schultern spätere Generationen stehen werden. Herzlichen Glückwunsch.





